Lassen Sie sich irritieren!

Zugegeben, es ist ein gutes Gefühl, richtig zu liegen. Keine Überraschungen, alles läuft wie geplant. Über das befriedigende „hab ich´s doch gewusst“ hinaus auch noch bewundert zu werden für Ergebnisse, die unsere Erwartungen erfüllen, stärkt das Selbstbewusstsein und steigert die Akzeptanz unter Kollegen.

Dumm nur, dass wir oft nur das sehen, was wir sehen wollen. Beunruhigende Nachrichten überhören wir gerne und diskutieren störende Argumente weg: „Ja, ja, das klingt interessant, aber betrifft uns doch nicht“. Und ein im Brustton der Überzeugung vorgetragenes „das sehen Sie nicht ganz richtig, bisher sind wir damit doch ganz erfolgreich gewesen“ erstickt schnell die weitere Diskussion.  Von Ignoranz über Abwiegeln als Ausnahme von der Regel oder als vorübergehendes Phänomene rationalisiert, bis hin zu ersten widerwillig eingeleiteten defensiven Maßnahmen und schließlich hektischer Betriebsamkeit einer erzwungenen Auseinandersetzung mit der Realität und bitteren Konsequenzen –  wir kennen das.

Diese von Gary Hamel beschriebenen Schritte der Verleugnung finden sich nicht nur in krisenhaften Entwicklungen von Unternehmen, sondern auch im privaten Umfeld: Wir blenden gerne aus, was stört. Das hat Vorteile, solange die Störung klein und sich tatsächlich mit den bewährten Routinen beheben lässt.

Klug ist oft, es auch mal umgekehrt anzugehen:  Je weniger man glaubt zu wissen, desto mehr müssen und können wir hinterfragen. Und desto besser sind wir in der Lage, angemessen auf die Realität zu reagieren. Anstatt Unsicherheit zu beklagen oder sich angesichts großer Veränderungen zu sorgen, ist es heilsam, Irritationen zuzulassen und ernst zu nehmen.

Lassen Sie sich also irritieren, entdecken Sie Widersprüche und hinterfragen Sie Standardantworten!
Was wäre,  wenn unsere bisherige Annahme falsch wäre? Ein paar einfache Fragen helfen dabei:

– Wovon bin ich eigentlich überzeugt?
– Wenn ich diese Überzeugung probeweise aufgebe – was wird dann möglich?
–  Worauf gründet sich diese Überzeugung eigentlich und wie könnte man die Ergebnisse und die Situation sonst noch erklären?

Die Erkenntnisse aus dem kleinen Gedankenexperiment erschüttern vielleicht ein klein wenig unsere bisherige Sicht auf die Dinge  – sie erlauben uns aber, in einer sich schnell verändernden Welt souverän zu handeln.